Historischer Verein für die Grafschaft Ravensberg e.V.

Arbeitsgemeinschaft für die plattdeutsche Sprache

Die AG trifft sich ab dem ersten Halbjahr 2011 immer am 1. Freitag im Monat von 15 - 17 Uhr im Haus der offenen Tür, Bielefeld, Kreuzstr. 19 a.

Leitung: Horst Stuckenbrock, Tel. 0521 100333

Erntedankfest

02.10.2016
15.30 Uhr Plattdeutscher Gottesdienst in der Bartholomäus Kirche in Bielefeld-Brackwede.

Plattdeutscher Gottesdienst

Als unser Verein 1932 die Veranstaltung von plattdeutschen Gottesdiensten, besonders am Erntedankfest, anregte, fand dieser Gedanke lebhafte Zustimmung. Der erste Gottesdienst dieser Art in der hiesigen Gegend fand in der festlich geschmückten Dornberger Kirche statt, und zwar am Nachmittag des Erntedanktages. Die Kirche war bis auf den letzten Platz besetzt. Predigt und Liturgie hielt Pfarrer Wörmann, Bethel. In Dornberg fanden auch in den folgenden Jahren regelmäßig am Erntedankfest plattdeutsche Gottesdienste statt. Auch die plattdeutschen Gottesdienste in Heepen waren außerordentlich gut besucht. In der Erinnerung vieler aber wird der plattdeutsche Gottesdienst in der Altstädter Kirche sein, der aus Anlaß des 60jährigen Bestehens des Historischen Vereins stattfand. Wohl selten ist die Kirche so voll besetzt gewesen. Pfarrer Wörmann verstand es auch hier, in tief zu Herzen gehenden plattdeutschen Worten die Zuhörer zu bannen. Liturgie und Gesänge waren plattdeutsch.

Nun regt sich in vielen Gemeinden der Wunsch, wieder plattdeutsche Gottesdienste zu veranstalten. Auf unsere Anregung hin wird am Sonntag, dem 16. Oktober 1949, ein plattdeutscher Gottesdienst in der Stiftskirche zu Schildesche stattfinden. Der Beginn wird rechtzeitig in den "Kirchlichen Nachrichten " bekanntgegeben. Wir machen unsere Mitglieder und Freunde besonders darauf aufmerksam und bitte alle, sich zu beteiligen.

aus Rundschreiben "Ravensberger Blätter" an die Mitglieder des Historischen Vereins für die Grafschaft Ravensberg, Nr. 8 Oktober 1949

Heute werden die plattdeutschen Erntedankgottesdienste gemeinsam mit den Bielefelder Heimatvereinen organisiert.

Vorwurt ut dat Bauk : „Wat se` sick in `en Ramskenbrinker Duerp vertellt.“

Von: Minna Schrader, Bielefeld, Frühjahr 1896, ( funnen von Detlev W. Becker, Builefeld):

Wer wat Gelihrtes höern will, vor den paßt düt Bauk nich; nei, gans wisse nich. Wat wirt`t se` in `en Ramskenbrinker Duerp van Gelihrsamkeit! Un ick - na, ick willt frisk van `e Lirwern wegseggen – ick hewwe „die hohen Wissenschaften“ auck nich met Lirpeln girten. – Ick bin huir, os`e annern Duerpkinner auck, bui Hüusmannskost upwuasen un blaut sau af un to gaw`t `nen aparten Happen. Un den behöll `k nich faken allein.

„Due, lot mui ens afbuiten. Wenn wui Pikker backt, kriegst Due auck Duin Deil“, sier denn Kaups Mariechen odder Meggers Lottchen, odder süs wer to mui.

Un nahßen, os wui „Sei“ to`nanner siern un sick düt und dat nich mehr vor mui „schicke“, doa häd wui doch nau faken meteneuine deilt, un was`t kein Pikker un Kauken, denn was`t Freud un Leid. - -

„Draf ick `n birtken rin kuamen? Ick mot Ehr wat vertellen. Och Godd, et breckt mui nau `t Harte!“ seggt Kaups Mariechen un grint gans bidderlick . Denn giw`t mui `e Hand un bid`t: „Nihrmt `t doch nich verüwel, owerst et deut sau weih, wenn `n ollen Jammer runnersluken mot, wenn `n sick nich ens uetgruinen draf“.

Un Mariechen vertelle un ick luster un keik ehr in `e truen Augen un in `t true Harte rin. Un `k was sau still, os wör`k in `e Kirken odder in `ne schöne, wunnerschöne Girgend un in mui sang un klang dat, os`t in den Ledderversk steiht:

„Der Blick in diese Frauenseele ist wie der Blick in`s Himmelreich!“

Willt Jui `t auck gewahr wern, wat Mariechen mui vertellt häd? `N birtken hew`k Jue bereits in dössen Bauke van ehr vorsnakt. Kuikt män to. Dat anner – un nau virl, virl mehr, wat mui in `en Duerp vertellt es, - kürnt Jui gern to wirten kriegen, wenn `k blaut weit, dat Jui `t gern höern un lirsen mügt. - Wenn denn nahßen de euine odder anner van Jue in dat lütke fründlicke Duerp in `en Ramskenbrinker Lanne kümmt, denn kuikt Jue de Luüe doch `n birtken niwwe an un find`t Jui guoe Bekannte odder süs wen, de Jue gefällt, de grüßt van mui un seggt ehr: ick glöwte, et wöre keinerwirgen sau schön os bui ehr un muin leiwe Vadderduerp vergeite ick vor oll muin Lebsdage nich.

Un wuil`k gern möchde, dat jedweddereuine dat schöne Ramskenbrinkerland un dat lütke Duerp, van den muin Bauk vertellt, in`t Harte slüt un leiw gewinnt – un wer`t ol leiw häd, dat `t den nau virl leiwer wird – dorüm hew`k düt Bauk schriewen.

Minna Schrader